Künstler
Kuratoren
Pressetext
THE ART OF POP VIDEO: STOP THE FLOW
Die Ausstellung "The Art of Pop Video" im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) feiert den Musik-Clip als eigenständige Kunstform und macht zugleich die Vielfalt seiner Kontexte sichtbar.

Schemenhaft, immer an der Grenze zur Auflösung flimmert ein Gesicht über den Bildschirm, fragile Landschaften zerfallen in Pixelstaub: Das Video der Band Radiohead zum Song "House of Cards" entstand ohne Kameras oder Licht, sondern mit Scannern. Regisseur James Frost schuf damit eines der mehr als 100 klassischen und stilbildenden Musikvideos, die im MAKK das Bild einer Gattung zeichnen: "The Art of Pop Video".
Lange bevor mit dem Buggles-Clip "Video Killed the Radio Star" am 1. August 1981 der Musiksender MTV startete, war das Popvideo eine feste Größe in der Vermittlung musikalischer und ästhetischer Innovationen. Zwölf Kapitel zeigen in der Ausstellung das Musikvideo in all seinen Ausdrucksformen und laden dazu ein, seine filmischen Vorläufer ebenso kennen zu lernen wie einen Blick in seine Zukunft zu wagen. Einem historischen Überblick folgen Themenblöcke mit den Titeln: Abstractions, Die Eroberung des Films, Die Eroberung der Kunst, The Dancing of Politics, Amateur, Tanz, Who Wants to Live Forever?, All Is Full of Love, The Wilderness Downtown und Look at Yourself. Ein weiteres Kapitel ist dem Musikvideo als Medium der Bildenden Kunst gewidmet.

AMATEUR STYLE
In der Ära des High-Speed-Internets können alle User zu "Vee-jays" werden: Einige der besten Clips stammen heute von Amateuren, die mit Geniestreichen die Profis herausfordern. Das Video zu "We Won't Break" von Zoot Woman, in dem Figuren aus den Gemälden von Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel zum Leben erwachen, war ursprünglich Mirjam Bakers und Michael Krens Seminararbeit an der Fachhochschule St. Pölten. Als die Band es zufällig auf YouTube entdeckte, wählte sie es zum offiziellen Musikvideo des Songs. Zunehmend entwickeln sich neue demokratische Produktionsweisen, die dem Musikvideo gegenwärtig eine neue Blüte bescheren: "Mash Up", "Amateur Style" und "Interaktion" heißen die aktuellen Strömungen.

THE DANCING OF POLITICS
Befreit vom Weichspüldiktat des Fernsehens entdecken viele Popvideo-Regisseure polarisierende Themen wie Jugendgewalt und Politik. Einer der Themenblöcke der Ausstellung stellt daher politisch relevante Popvideos seit den Sechziger Jahren vor - von Bob Dylan und den Kinks bis zu George Michaels Anklage gegen den Irak-Krieg ("Shoot the Dog") und Daft Punks Auseinandersetzung mit der "Pop-Ikone" Barack Obama.

DIE ANKUNFT DER GROSSEN MEISTER
Das Popvideo wurde zu einem Innovator der visuellen Kultur: Künstler wie Madonna, Michael Jackson, Pet Shop Boys, Björk, Daft Punk oder White Stripes, Regisseure wie Michel Gondry, Chris Cunningham oder Jonathan Glazer überschütteten Musikfans mit einem Überschuss an kreativer Phantasie und ebneten damit auch der Video- und Filmkunst neue Wege.
Längst ist Andy Warhols Versprechen von der Demokratisierung des Ruhms in der Ära von YouTube und Facebook wahr geworden. Die Ausstellung erinnert aber auch an Warhols Anteil an der Entwicklung der neuen Kunstform: In seinen letzten Lebensjahren hatte der Pop-Artist seine eigene Show auf MTV und produzierte Clips. Nichtsdestotrotz wurde die neue Gattung von der Kulturkritik erst einmal als geistlose Bilderflut gescholten. Dem Popvideo, so hieß es damals, sei nichts heilig - weder das Erbe der Avantgarde noch Sitte oder Moral. Heute erscheint gerade diese Unbefangenheit als Glücksfall.

ART SCHOOL RULES
Heute sind es Bildende Künstler wie Tom Dale, Christian Jankowski, Pipilotti Rist oder Wolfgang Tillmans, die die Form eines Musikvideos aufgreifen und für ihre zeitbasierten Arbeiten nutzen.

POPVIDEO ALS KUNSTFORM
Die in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Köln entwickelte Ausstellung im MAKK präsentiert Meisterwerke, die jeweils mit eigenen Monitoren oder Projektionen gezeigt werden, und setzt sie in Beziehung zur bildenden Kunst und dem Film - u.a. vertreten durch Clips von Starregisseuren wie Wong Kar-Wai oder David Fincher. Der Besucher ist eingeladen, jedes Werk losgelöst aus dem Flow der Musikkanäle zu genießen oder sich von der Dramaturgie der Ausstellung treiben zu lassen, die immer wieder überraschende historische und thematische Parallelen aufzeigt: Das Popvideo als eigenständige Kunstform.