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Liste der ausgestellten Künstler/Videos (Auswahl)


01
The Art of Pop Video Trailer
Regie: Nicole Wegner · Musik: Markus Aust · 1:15


02
Pet Shop Boys: Go West, 1993
Regie: Howard Greenhalgh · 4:52

1979 hatte die Disco-Formation Village People mit ihrer Hymne auf das friedvolle San Francisco, das hier besonders für seine Liberalität gegenüber Homosexuellen gepriesen wurde, nur einen kleineren Hit. Die Coverversion der Pet Shop Boys von 1993 und die dazugehörige Videoinszenierung von Howard Greenhalgh stehen für eine radikale künstlerische Aneignung. Den Elektropoppern war aufgefallen, dass die Originalkomposition auf der Melodie der russischen Nationalhymne basierte. Also ver- legten sie den Spielort in die nur wenige Jahre zuvor untergegangene Sowjetunion, erfüllt von einer Sehnsucht nach den Versuchungen der westlichen Freiheit und Konsumkultur. Doch auch die Architektur und Musical-Ästhetik der Stalin-Zeit feiert hier eine prunkvolle Wiedergeburt in utopischen Turmbauten und einer Showtreppe zum Himmel. Zugleich verbeugt sich die bunte, collagenhafte Bildsprache auch vor der russischen Gegenwartskunst, die seit der Perestroika auch den westlichen Kunstbetrieb eroberte. Besonders der Einfluss des Teams Komar & Melamid ist sicht- bar, während die Pet Shop Boys selbst durch ihre uniforme Kleidung eher an das britische Künstlerduo Gilbert & George erinnern. Bei aller Vielfalt der Bezüge und der aufwändigen Videoanimationen - einer damals noch jungen Technik - wirkt der Clip jedoch überraschend homogen. Aufgenommen in die "heavy rotation" des Musiksenders MTV wurde er bald zum Clip-Klassiker.




03
The Buggles: Video Killed the Radio Star, 1979
Regie: Russel Mulcahy · 3:30


04
Klonhertz: Three Girl Rhumba, 2004
Regie: Dougal Wilson · 3:05




05
Nina Simone: My Baby Just Cares For Me, 1987
Regie: Peter Lord · 3:42

"My Baby Just Cares For Me", 1930 für eine Broadway-Show geschrieben, war der von der Popwelt reichlich vergessene Signature Song der Jazzpianistin und Sängerin Nina Simone. Das änderte sich schlagartig, als er 1987 für einen britischen Werbespot von "Chanel No. 5" eingesetzt wurde. Ohne das Zutun von Simone, die an ihrer Aufnahme von 1958 keine Rechte besaß, erklomm die Single Spitzenplätze in vielen europäischen Charts und ein Video musste her. Trickfilmer Peter Lord, der gemeinsam mit dem "Wallace & Gromit"-Erfinder Nick Park die Clayanimation-Technik perfektion- ierte, übernahm die Regie. Er entschied sich dafür, die abwesende Simone von einer verführerischen Gesangskatze verkörpern zu lassen, an die ein adretter Katerjunge sein Herz verloren hat. Wäre da nicht der muskulöse Türsteher, der den Club bewacht wie ein Zerberus. Lord arbeitete mit kleinem Budget und behalf sich geschickt, in dem er Simones berühmtes Klaviersolo ganz ohne Animation bebilderte - obwohl man es kaum bemerkt: Er setzt einfach synchron zur Musik Klaviertasten und Hämmer in Bewegung, die er in schicken Diagonalen einfängt, ohne die Hände des Piano-Doubles zu zeigen. Der überaus erfolgreiche Clip ist so zeitlos geblieben, wie der Song, den er begleitet. Und er beweist, dass man in diesem Metier auch ohne Zutun der Interpreten zu guten Ergebnissen kommen kann.


06
Fettes Brot: Jein, 1996
Regie: Bollinger, Schultchen & Wacker · 5:21




07
Alex Gopher: The Child, 1999
Regie: Antoine Bardou-Jacquet · 3:06




08
Cornelius: Drop (Do It Again), 2003
Regie: Koichiro Tsujikawa · 5:25


09
Bleip: Simone, 2002
Regie: Pleix · 2:25




10
Sensorama: Star Escalator, 1998
Regie: Oliver Husain, Michel Klöfkorn · 4:30




11
Kenneth Bager: Fragment 8 - The Sound Of
Swing, 2008 · Regie: Uwe Flade · 3:35



12
Noonday Underground: London, 2001
Regie: uebermore (Mike Williams) · 2:38




13
Radiohead: House of Cards, 2008
Regie: James Frost · 4:36

Flüchtige, verfließende Lichtpunkte zeigen eine fragile Welt in permanenter Auflösung: Schemenhaft flimmert das Gesicht des Radiohead Sängers Thom Yorke, grazile Landschaften zerfallen zu Pixelstaub, als würden sie vom Wind verweht. Mit "House of Cards" ist Regisseur James Frost eine Pionierarbeit gelungen: Weder Kameras, noch Animation, noch Licht waren an der Entstehung beteiligt. Die Bilder entstanden mit zwei Lasersystemen: Zum Abtasten naher Objekte - wie Yorkes Kopf - verwen- dete Frost einen "Geometrics Informatics"-Scanner. Kalifornische Vororte wurden mit dem "Velodyne Lidar"-System aufgenommen, bei dem 64 Laser 900-mal pro Minute um eine Achse rotieren: Heraus kommen Lichtpunkte. Ähnlich wie bei einer Infrarotkamera, die Wärmequellen in Farben umsetzt, illuminiert Frost seine Welt. Der Songtext, in dem die Geliebte aufgefordert wird, ihren Mann zu verlassen, wird in seiner verlorenen Sehnsucht durch die Bilder verstärkt, aber auch durch ihre emo- tionale Distanziertheit ausbalanciert. Die menschlichen Gefühle finden ihre Entsprechung in einer digitalen Welt, die keine Fixpunkte mehr hat, die sich in jedem Augenblick aufzulösen droht. Frost: "In gewisser Weise ist der Clip eine Reflektion der heutigen Gesellschaft... alles ist datengesteuert... unser Leben ist digital." In der interaktiven Version von "House of Cards" - ebenfalls ein Novum dieses Clip - kann sich jeder eine eigene Version erschaffen. Die ephemere Gestalt der Bilder erscheint so noch vergänglicher.


14
UNKLE (ft. Thom Yorke): Rabbit in Your Head-
lights, 1998 · Regie: Jonathan Glazer · 5:24




15
SchneiderTM: Reality Check, 2002
Regie: Uwe Flade · 3:39




16
Amy Winehouse: Tears Dry On Their Own, 2007
Regie: David LaChapelle · 3:07




17
Erykah Badu: Window Seat, 2010
Regie: Erykah Badu, Coodie and Chike · 5:33




18
Marianne Faithfull: Broken English, 1979
Regie: Derek Jarman · 2:48




19
Lyapis Trubetskoy: Capital, 2007
Regie: Alexey Terehoff · 3:18

Auch im Russischen reimt sich der Schokoriegel "Mars" nicht sauber auf "Karl Marx". Aber der Kapitalismus ist ja auch kein sauberes Geschäft. Die weißrussische Rockband Lyapis Trubetskoy wusste, wovon sie sprach, als sie 2007 ihren Song "Capital" zusam- men mit dem schrillen Neo-Pop-Art-Video von Alexey Terehoff herausbrachte. Ende der 90er Jahre vom Underground-Phänomen zur Stadion-Rock-Größe aufgestiegen, konnte Frontmann Sergey Mikhalok plötzlich keinen Unterschied mehr zwischen sich selbst und seinen Feindbildern im Mainstream erkennen: "Eines Tages musste ich schockiert feststellen, dass unsere Gruppe eins geworden war mit dem Gegenstand unserer Parodien und Witzeleien. Wir waren dabei mit der Pop-Star-Crowd zu ver- schmelzen, aber ich gehöre nicht dazu und wollte es auch nie." Aber ist es wirklich möglich, dem Erfolg, den man einmal hat, so einfach abzuschwören? Das mit einfacher 2-D-Graphik höchst wirkungsvoll animierte Video zu "Capital" führt den Sänger als Legetrickfigur auf dem Rücken exotischer Tiere durch eine apokalyp- tische Welt, die gierige und schwer bewaffnete Machthaber, darunter auch der weiß- russische Präsident Alexander Lukaschenko, übel zugerichtet haben - wobei auch der eher bescheiden lebende Fidel Castro nicht verschont wird. Sie alle präsentieren sich mit herrschaftlichem Lächeln im Design schillernder Glanzbildchen, jedoch mit schweren Waffen prahlend. Warum allerdings auch Venezuelas demokratischer Sozialismus unter Präsident Hugo Chávez in einem Atemzug mit Irans Mahmud Ahmadinedschad und dem bei Veröffentlichung des Videos bereits hingerichteten Saddam Hussein genannt wird? Man muss schon in der Punk-Attitüde von Lyapis Trubetskoy eine Erklärung finden. Der detailfreudige, collagierte Stil der Videographik erinnert dabei an das ebenfalls in der Ausstellung vertretene Video "Pop Muzik (Remix 89)".


20
Lasse Gjertsen: Amateur, 2006
Regie: Lasse Gjertsen · 3:00




21
Weezer: Pork and Beans, 2008
Regie: Mathew Cullen · 3:14




22
Manos de Topo: Es Feo, 2009
Regie: Kike Maillo · 2:09




23
Zoot Woman: We Won't Break, 2007
Regie: Mirjam Baker, Mike Kren · 3:59




24
Pet Shop Boys: Home and Dry, 2002
Regie: Wolfgang Tillmans · 4:00


25
Carsten Nicolai: future past perfect pt.3 (u_08-1),
1009 · Musik: Alva Noto feat. A.-J. Chaton · 3:43





26
LYAPIS TRUBETSKOY: CAPITAL
DIRECTOR: ALEXEY TEREHOFF, 2007

Auch im Russischen reimt sich der Schokoriegel "Mars" nicht sauber auf "Karl Marx". Aber der Kapitalismus ist ja auch kein sauberes Geschäft. Die weißrussische Rockband Lyapis Trubetskoy wusste, wovon sie sprach, als sie 2007 ihren Song "Capital" zusam- men mit dem schrillen Neo-Pop-Art-Video von Alexey Terehoff herausbrachte. Ende der 90er Jahre vom Underground-Phänomen zur Stadion-Rock-Größe aufgestiegen, konnte Frontmann Sergey Mikhalok plötzlich keinen Unterschied mehr zwischen sich selbst und seinen Feindbildern im Mainstream erkennen: "Eines Tages musste ich schockiert feststellen, dass unsere Gruppe eins geworden war mit dem Gegenstand unserer Parodien und Witzeleien. Wir waren dabei mit der Pop-Star-Crowd zu ver- schmelzen, aber ich gehöre nicht dazu und wollte es auch nie." Aber ist es wirklich möglich, dem Erfolg, den man einmal hat, so einfach abzuschwören? Das mit einfacher 2-D-Graphik höchst wirkungsvoll animierte Video zu "Capital" führt den Sänger als Legetrickfigur auf dem Rücken exotischer Tiere durch eine apokalyp- tische Welt, die gierige und schwer bewaffnete Machthaber, darunter auch der weiß- russische Präsident Alexander Lukaschenko, übel zugerichtet haben - wobei auch der eher bescheiden lebende Fidel Castro nicht verschont wird. Sie alle präsentieren sich mit herrschaftlichem Lächeln im Design schillernder Glanzbildchen, jedoch mit schweren Waffen prahlend. Warum allerdings auch Venezuelas demokratischer Sozialismus unter Präsident Hugo Chávez in einem Atemzug mit Irans Mahmud Ahmadinedschad und dem bei Veröffentlichung des Videos bereits hingerichteten Saddam Hussein genannt wird? Man muss schon in der Punk-Attitüde von Lyapis Trubetskoy eine Erklärung finden. Der detailfreudige, collagierte Stil der Videographik erinnert dabei an das ebenfalls in der Ausstellung vertretene Video "Pop Muzik (Remix 89)".